Das Bild in den Köpfen II

lautern

Es gibt gute Geschichten und es gibt schlechte Geschichten. Geschichten, die Menschen langweilen und Geschichten, die Menschen begeistern. Sie zünden den vielbeschriebenen Funken und erzeugen Bilder in den Köpfen. Besonderes in einem Fußballverein mit solch hoher emotionaler Bedeutung.

Lautern lebt vom sprichwörtlichen Funken, von diesen Stimmungen. Ein Funke und es brennt. Ihn zu zünden, misslang in den letzten Jahren. Vielleicht auch, weil das Verständnis zum Zünden nicht da war. Er entzündet sich nämlich nicht nur durch den sportlichen Erfolg, sondern auch durch Worte, die Feuer haben.

Der FCK erzählte in Person von Stefan Kuntz im Jahr 2008 eine wahnsinnig gute Geschichte. Es war die Geschichte eines Retters, 18.05.2008, Herzblut, Phönix aus der Asche.

Und ein wenig fühlen sich die letzten Jahre wie eine stetig schlechter werdende Film/Serienhit-Trilogie an – wie in der 10. Folge Scrubs oder in der x-ten Neuauflage von Matrix. Wir schlitterten geradeaus “Gut gelaunt in Richtung Bedeutungslosigkeit”.

Stefan Kuntz hatte keine Geschichte mehr zu erzählen, die irgendwen begeistert hätte. Als Fan hatte man längst die Lust am Lesen der Geschichte verloren. Man blätterte ungeduldig vor. Das Ende des Buchs war schon nah, die Gedanken aber längst woanders.

Kennt ihr das, wenn ihr eine Seite im Buch liest und unten angekommen feststellt, gar nicht zu wissen, was ihr da eigentlich gelesen habt? So fühlt sich der FCK der vergangenen Jahre an.

Einige, mich inbegriffen, legten das Buch schon neben den imaginären Altpapiercontainer. Noch nicht gewillt es wegzuwerfen, aber kurz davor. Genug war irgendwann genug.

Jetzt ist die Zeit angebrochen für eine neue Geschichte mit Feuer.

VIDEO (muss man gesehen haben): FCK 2016/17 – Zusammen das Feuer entfachen

Gute Geschichten sind ehrlich. Ehrlichkeit bedeutet in unserem Fall den Mut der Einsicht, am Boden zu sein, den Erfolgen nostalgisch hinterher blickend, ohne Glaube an die Gegenwart und Zukunft. Das ist maximal ehrlich und holt ab. Wir können nichts anderes tun, als zusammenzuhalten, lauter zu schreien und nicht aufzugeben. Diese Botschaft ist genial: Nur zusammen sind wir Lautern.

Diese Geschichte aktiviert uns. Ich muss nur diesen legendären Artikel von Marky (Kolumne | Wie wir das Monster wecken (Der Betze brennt) lesen und weiß, es funktioniert. Er hat wieder Bilder in seinem genialen Kopf. Und er sorgt dafür, dass wir wieder Bilder im Kopf haben. Der Funke wird weitergegeben. Wir alle sind ein Stück weit aktiviert, das merkt man.

…Ich kenn Euch doch…

Ihr durchstöbert die Foren, saugt jeden Satz auf. Schaut täglich auf den Stand der verkauften Tickets, legt die Tickets schon mal ordentlich auf dem Tisch zurecht. Trikot noch einmal in die Wäsche. Wie lange noch schlafen bis Freitag? Ihr stellt Euch vor, wie es sein kann. Ihr kreiert Bilder in euren Köpfen, wie es wäre, wenn der FCK das entscheidende Tor in der 92. Minute erzielt und der Berg explodiert. Die Bilder in Euren Köpfen sind aktiviert.

Marketing ist die Kunst, Geschichten zu erschaffen und mit Leben zu füllen.

Es ist das eine immer wieder darüber zu meckern, was für hohe Erwartungshaltungen wir bösen Fans doch nur haben und das andere, diese Erwartungshaltung auf einen gemeinsamen Nenner zu fokussieren: #nurzusammen

Wir haben mit Gries einen Experten für diesen Bereich bekommen. Das ist wichtiger als 3 Miro Klose’s zusammen. Und hätte ich was am Betze zu sagen, würde ich den Marky schnellstmöglich im Social Media Bereich anstellen. Wir brauchen Leute, die Geschichten erzählen können, die ein Gespür für den richtigen Ton haben. Also Marky, ich kenne dich leider nicht persönlich, aber bitte bewirb dich beim FCK. Danke.

Part 1 vom 07.08.2013:
Das Bild in den Köpfen – Eine Außenbetrachtung des 1. FC Kaiserslautern

Lieber Fußball, …

Lieber Fußball,

ich kann es nicht mehr sehen. Jeden Spieltag zeigst du mir dieselben Bilder: Nicht gegebene und unberechtigte Elfmeter, falsche Platzverweise, Phantomtore, Handtore, versteckte Tätlichkeiten.

Sei ehrlich, du stehst ein bisschen darauf, oder? Wie schön lässt sich stundenlang über jede deiner Fehlentscheidungen diskutieren. Deine Spieler springen wie wild gewordene Affen um den Schiedsrichter herum. Deine Trainer zappeln mit hochrotem Kopf an der Seitenlinie. Die Medien haben Stoff, um ihre Seiten zu füllen.

Du bist einfach einer von der alten Sorte, oder? Statt die vorhandenen 20 Kameras inkl. Superzeitlupen zu nutzen, vertraust du dich 6 menschlichen Augen auf einem knapp über 7000 qm² großen Spielfeld an. Mutig, mein lieber Fußball. Aber auch ein wenig blöd, oder?

Dein Bruder, der American Football, macht das ja etwas anders.

Dort überwachen 7 Schiedsrichter ein knapp über 5000 qm² großes Spielfeld. Jede Entscheidung kann zudem per Zuhilfenahme von Videomaterial kontrolliert und angefochten werden. Jede Entscheidung wird per Headset über das Stadion-Mikrofon bekanntgegeben. Ganz transparent.

Aber das ist alles nichts für dich, oder? Dieses ganze moderne und so. Pfui bah. Früher war ja alles besser, stimmts? Und außerdem hast du das ja immer schon so gemacht, dann wird das ja nicht falsch sein, richtig?

Du, lieber Fußball, möchtest ja bewahren, ursprünglich und simpel sein. Ein bisschen naiv und leichtgläubig ist deine Sichtweise ja schon. Deine Fehlentscheidungen auf dem Platz bewegen die Massen – oft mehr als das Spiel an sich. Deine Leute lieben und hassen es zugleich. Oft sagen sie: DAS gehört einfach dazu.

Was dieses „DAS“ ist?

Vielleicht das Ventil zum Frustabbau? Oder der masochistische Genuss, benachteiligt zu werden und mit rotem Kopf alles lauthals beklagen zu können? Die Verantwortung für Niederlagen so schön an Fehlentscheidungen zu hängen? Einen Sündenbock für einfach alles zu haben? Der ärmsten Sau unter dir: Dem Schiedsrichter.

Jedem deiner Spieler ist Tür und Tor für Betrug geöffnet. Schwalben und theatralisches Getue sind gern genutzte Hintertürchen in einem schlechten Kontrollsystem, das sich Spieler zu Nutze machen. Da sind deine bunten Fair-Play Aufnäher und Banner nicht mal den Stoff wert, aus dem sie genäht worden sind.

Fußball, ich weiß du hast Angst. Du und Deine Beteiligten – Spieler, Trainer, Fans, Verantwortliche, Medien. Die große Angst, dass Wahrheit und Fakten den Fehlentscheidungen weichen. Kameras liefern Wahrheit und Fakten.

Aber über Wahrheit lässt sich nicht stundenlang diskutieren und echauffieren, keine Headlines machen, stimmts?  Wahrheit bringt Verantwortung mit sich, der man sich stellen muss. Ohne faktische Wahrheiten lässt sich die Verantwortung für Niederlagen so wunderschön auf irgendwen anders schieben. Darauf möchtest du nicht verzichten, oder? Und es ginge ja auch das verloren, was du als „Emotionalität“ bezeichnest – was letztlich nichts anderes als der legitimierte Frustabbau auf einen Einzelnen ist. Am Ende des Tages war nicht man selbst oder die Mannschaft schlecht – nein, irgendwer anders ist Schuld. Und wenn es nicht der Schiri war, dann hat sich der ganze DFB dagegen verschworen. Fußball-Mafia DFB – hach, es ist so schön gemütlich in dieser Opferrolle, nicht wahr?

Lieber Fußball,

bitte wach auf. Steh auf, mach die Spinnweben um dich herum weg und geh’ ein paar Schritte mit der Zeit.

Gut gelaunt in Richtung Bedeutungslosigkeit

Am Freitag startet die neue Saison. Und ganz ehrlich: Ich hab null Bock drauf. Selten war ich weiter weg von diesem Verein als jetzt. Mehr Frust als alles andere.

Aber nein, Stopp.

Es ist doch alles super. Alle sind super gelaunt, super positiv, alle lächeln, Probleme gibt’s keine, alles klasse, hurra, hurra – steht so zumindest in allen medienrelevanten Berichten. Wir halten uns an den Händen, singen Oh-happy-Day und hüpfen fröhlich in Richtung Sonnenuntergang.

Schön wär’s. Kurz vor Saisonbeginn stehen wir wieder einmal ohne Hauptsponsor da. So wie letztes Jahr auch schon. Wer sich mit Markenführung und Sponsoring auskennt, weiß, dass das kein Zufall ist. Die Darstellung des Vereins ist seit Jahren wechselhaft, diffus und unklar. Es ist zum Kotzen, wie ein Verein sich im Marketing so darstellen kann. Aber wir beruhigen uns und lächeln. Alles gut, das wird schon. Wir sind ja der kleine FCK und müssen kleine Brötchen backen. Und sowieso liegt es ja an der Wirtschaft, der Region, dem schlechten Wetter, den Illuminaten und überhaupt an irgendwas anderem. Aber lasst uns weiter lächeln. Alles wird super. Oh-happy-Day.

Am ersten Spieltag gegen Duisburg wird unser Trikot die Aufschrift „115 Jahre Tradition“ tragen. Und das sagt eigentlich alles aus. Tradition ist offenbar das einzige, was noch nennenswert und von Bedeutung ist. Und wird uns inflationär um die Ohren gehauen.

Der Spielplan ist übrigens auch unfair. Erster Spieltag auswärts bei einem Aufsteiger? Das grenzt ja an einen Skandal. Niemand sollte am ersten Spieltag auswärts bei einem Aufsteiger spielen. Niemand sollte überhaupt am ersten Spieltag auswärts spielen müssen. Ach, niemand sollte überhaupt am ersten Spieltag spielen müssen. Da werden wir wieder systematisch benachteiligt. War ja klar. Da ist die 12:0 Niederlage doch vorprogrammiert. Letztlich vermutlich auch der Grund, warum wir nicht aufsteigen. Oh-happy-Day.

Immerhin war das Stadionfest ein Kracher. Glaubt man zumindest, wenn man den offiziellen Bericht dazu liest. Klingt wie vom 60-jährigen Jubiläum des ortsansässigen Seniorenvereins. Dabei war das Konzept doch herausragend: Ein paar Hüpfburgen aufbauen, alte Merchandising-Artikel kartonweise herankarren und verramschen, Autogrammstunden geben und vorzeitig abbrechen – so gewinnt man Fans. Und ein Testspiel an dem Tag braucht doch kein Mensch. Immerhin waren die Ostallgäukickers da, um gegen die Traditionsmannschaft zu spielen. Na wenn das nichts ist. Soll noch einer meckern.

Alles war bunt und klasse. Alle Menschen hatten ein Lächeln auf dem Gesicht. Am Ende fassten sich alle 245.000 anwesenden Besucher an den Händen und hielten ihre Fahnen in die Luft. Gleichzeitig.

Liebevolle, ideenreiche und gut besuchte Stadionfeste? Braucht der FCK nicht. Haben wir gar nicht nötig. Ist doch sonst alles super und klasse. Wer das Gegenteil behauptet, soll bitte nach Hoffenheim oder zu den Bayern gehen.

Aber wir regen uns doch nicht auf. Alles ist super, alles ist gut. Und wenn’s dann doch mal nicht so ist, dann heben wir halt unsere Schals und singen Ole Rot-Weiß und verdrücken Tränen der Rührung, weil wir irgendwann mal ein Verein waren, der irgendwas Geiles in sich hatte. Und weil ein Meer voller Fahnen und Schals das einzige ist, was uns noch ansatzweise von anderen Verein abhebt. Alles andere verkommt zu 0815. Und ich bin sauer auf die Menschen, die das dort zu verantworten haben.

Alles woran ich beim FCK momentan denke, wirkt wie eine schlechte Parodie im Vergleich zu anderen Vereinen. Weiteres schönes Beispiel: Das neue Racing-Design der Trikots inkl. dem peinlichen Vorstellungsvideo. Wir sind wohl jetzt ein Rennverein. Scheiße, was denken die sich eigentlich dabei? Ok, beruhigen. Alles ist super. Das hat sicher irgendeinen Sinn. Und Schwarz-Weiß-kariert ist ja auch schön. Immer schön lächeln. Einfach lächeln und beruhigen. Oh-happy-Day.

Alles ist leblos, uninspiriert und nicht einem Zweitliga-Verein würdig. Der Verein ist ein Pulverfass. Und spätestens mit der ersten Heimniederlage vor noch 21.000 Zuschauern geht das Pulverfass hoch. Und das wird dringend Zeit. Irgendwas muss diese Spirale der Mittelmäßigkeit und Uninspiriertheit unterbrechen. Sonst gleiten wir weiterhin gemütlich und gut gelaunt in Richtung Bedeutungslosigkeit. Alle mit einem Lächeln im Gesicht und Oh-happy-Day singend.

The Theory of Everything – das 1×1 der Stimmung

0:0 gegen Union Berlin. Die Stimmung ist im Arsch. Der Trainer wechselt zu spät, dann auch noch die Falschen. Und überhaupt haben auch die Falschen von Beginn an gespielt. Union muss man schlagen. Vernichtend am liebsten. Und zu null. Und wehe, es gibt ein Gegentor. Die Lauterer Helden der Gegenwart sind vor allem die, die nicht mehr da sind oder gerade nicht spielen. Ein Mugosa, ein Wooten, ein Dorow – die wurden ja alle abgegeben. Die hätten ja getroffen, vielleicht sogar per Hattrick. Und überhaupt, hätte der „setze einen beliebigen Auswechselspieler ein“ gespielt und nicht der „setze einen beliebigen Spieler ein, der gespielt hat“, wäre ja alles anders gekommen. Wie man es macht, macht man es falsch. Und am besten wissen das natürlich wir Fans. Scrolle ich meine Timeline auf Facebook und Twitter am Tag eines solches Spiels durch, werde ich von dieser Stimmung geradezu angesprungen. Die Wutbürger vereinen sich, finden Gleichgesinnte, finden Gegner, Diskussion eskalieren, es wird persönlich. Die Stimmung ist im Arsch. Immer weniger Zuschauer kommen auf dem Betzenberg. Der FCK ist dem Ende geweiht.

Achja, übrigens: Wir stehen punktgleich auf dem zweiten Tabellenplatz mit guten Chancen in die Bundesliga aufzusteigen – nicht auf dem 16. Tabellenplatz, wie man durchaus annehmen könnte. Muss zumindest mal erwähnt werden.

Doch irgendwas muss doch dran sein an dieser schlechten Stimmungslage? An der ständigen Kritik, an der Unzufriedenheit, die auch ich beim FCK teilweise verspüre. Woraus setzt sich diese Stimmung zusammen? Was ist diese Stimmung? Wie entsteht sie? Was benötigt es für gute Stimmung? Was beeinflusst die fußball- und fck-bezogene Stimmung des Einzelnen und die Stimmung im Stadion? Und welche Szenarien sind notwendig, damit gute Stimmung entsteht?

Ich habe mich mal auf die Suche nach Antworten gemacht.

Zunächst einmal die Grundlage: Menschen sind einfach grundsätzlich stark abhängig von ihrer Stimmung. Und alles kann Einfluss darauf nehmen. Das gilt individuell für jeden Einzelnen als auch für die Masse. Jeder Einzelne kann mit seiner Stimmung die Masse beeinflussen. Die Stimmung der Masse kann wiederum die Stimmung des Einzelnen beeinflussen.

Klar ist jedoch, dass diese Stimmung schwer kontrollierbar ist. Sie ist abhängig von Variablen. Und diese Variablen sind schwer zu fixieren. Macht mich ein 0:0 zufrieden? Kommt drauf an! Worauf? Den Gegner, das Spiel, die sportliche Situation und tausend andere Dinge. Diese Dinge liegen aber definitiv im unkontrollierbaren Bereich. Die Stimmung des Individuums und der Masse lassen sich nicht rational verändern. Wenn mich ein 0:0 unzufrieden macht, brauche ich mir nicht einzureden, dass es mich zufrieden macht. Stimmung ist fix, variabel sind hingegen die Gründe dafür.

Der Haupteinflussfaktor ist meiner Meinung nach die Relation zwischen Erwartung und Realität.

Ich vergleiche es mal anhand verschiedener Halbzeitstände. Der Indikator ist die gehörte und gefühlte Stimmung des Einzelnen, aber auch die der Masse (was natürlich nur schwer messbar ist). Wenn ich einen lockeren 3:0 Sieg erwarte, gehe ich mit einer anderen Einstellung und Stimmungslage in das Spiel als wenn ich eine deutliche Niederlage erwarte. Immer wenn die Realität besser als die Erwartung ist (Halbzeitergebnis 0:0, obwohl eine Niederlage erwartet wird), ist das Potential für gute Stimmung sehr hoch. Anders herum ist das Potential für gute Stimmung sehr niedrig, wenn ich von meiner Mannschaft erwarte, dass sie dieses Spiel 3:0 gewinnt, es aber zur Halbzeit 0:0 steht.

Also erstes Zwischenfazit: Ein reines Ergebnis steht immer im Verhältnis zur Erwartung. Praxisbeispiel: Vergleicht bitte die Stimmung der Fans zwischen dem Halbzeitstand beim FSV Frankfurt (0:0) und dem Halbzeitstand beim Spiel in Leverkusen (0:0). Dasselbe Ergebnis, doch zwei völlig verschiedene Stimmungslagen.

Also kann man die vereinfachte Formel aufstellen:
Erwartung > Realität = Schlechte Voraussetzung für Stimmung
Erwartung < Realität = Gute Voraussetzung für Stimmung

Das Wort „Erwartung“ muss auch noch weiter differenziert werden. Es betrifft einmal die kurzfristige Erwartung auf das Spiel bezogen (also ob ich von Sieg oder Niederlage ausgehe) und die langfristige Erwartung. Die langfristige Erwartung ist beim FCK eine vollkommen andere als z.B. beim FSV Frankfurt. In den Köpfen der FCK-Fans sind wir ein Erstligist, bestückt mit zahlreichen Erfolgen, deplatziert in der 2. Liga. Das Bild eines FSV-Fans im Hinblick auf die Erwartung sieht logischerweise ganz anders aus.

Das heißt, unabhängig von der Erwartung des Ergebnisses gehen beide Fanlager mit vollkommen unterschiedlichen Erwartungen in das Spiel. Naturgemäß ist die Erwartung eines FCK-Fans in der 2. Liga stets am Maximum. Alles andere als ein Sieg ist meist zu wenig. Es ist fast unmöglich, dass die Realität die Erwartung übertreffen kann. Folglich gibt es kaum Potential für gute Stimmung und Zufriedenheit. Genau diesen Zustand haben wir aktuell.

Anders sehe das selbstredend bei einem Aufstieg aus. Stellen wir uns das Szenario des Aufstiegs und der damit verbundenen Zugehörigkeit zur 1. Liga vor. Die grundsätzliche Erwartung ist der Klassenerhalt, nicht mehr und nicht weniger. Beinahe jedes Spiel bestreitet der FCK als Außenseiter. Die kurzfristige Erwartung ist stets die einer Niederlage, die langfristige ist die des Klassenerhalts. Folglich fällt es viel leichter, die Erwartungen durch die Realität zu übertreffen.

Und letztlich ist genau dieses Phänomen auch schon mehrmals in den vergangenen Jahren zu betrachten gewesen. Besonders im Abstiegskampf rücken die Fans zusammen. Besonders dann, wenn die Hoffnung schwindet und eigentlich keine Chance mehr besteht, rückt man zusammen.

Genau das kann man auch auf andere Mannschaften übertragen. Und es ist auch eine Erklärung, warum beim FC Bayern München einfach kann keine herausragende Stimmung entstehen kann. Die Erwartung ist am absoluten Maximalpunkt. Selbst wenn die Realität einen 8:0 Sieg gegen den Hamburger SV hervorbringt, sprengt es nicht den Rahmen der Erwartung. Schlimmer noch: Die Folge ist, dass Siege mit 2 bis 3 Toren Unterschied schon als Enttäuschung betrachtet werden. Höchstens ein 4:0 Sieg gegen Real Madrid im Halbfinale der Championsleague hat die Kraft, die Erwartung zu übertreffen. Darum ist es höchst unspannend, Bayern-Fan zu sein. Zufriedenheit ist dort das höchste aller Gefühle. Doch nur überraschende und unerwartete Ereignisse haben die Kraft, um für euphorische Glücksgefühle zu sorgen. Darum sollte man jeden Bayern-Fan bemitleiden. Das werden sie vermutlich nie erfahren.

Selbiges ist im Verlauf der vergangenen Jahre bei der DFB-Elf zu beobachten gewesen. Aufgrund des Potentials der Mannschaft und der mehrmals erreichten Halbfinals, zählte nur noch der Titel. Das ist das Dilemma des Erfolges. Erfolg bringt Anspruch mit sich. Anspruch zu erfüllen ist bei weitem nicht so befriedigend, wie Ansprüche zu übertreffen.

Ein letztes allgemeines Beispiel: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze heißt es so schön. In schöner Regelmäßigkeit setzen sich Vereine aus den unteren Ligen gegen auf dem Papier deutlich bessere Mannschaften durch – oder machen ihnen zumindest das Leben schwer. So gesehen auch in dieser Runde bei unserem Spiel gegen Leverkusen oder auch bei dem Sieg Arminia Bielefelds gegen Werder Bremen.

Und dieses Phänomen lässt sich ebenfalls mit der Formel erklären. Die Erwartung seitens Bremen und Leverkusen ist ein klarer und lockerer Sieg – bei den Spielern und auch bei den Fans. Im Grunde kann der Favorit nur verlieren und der Außenseiter nur gewinnen. Selbst eine Niederlage ist für den Außenseiter im Bereich des Akzeptablen. Diese Voraussetzung der geringen Erwartungshaltung sorgt dafür, dass die Realität es leicht hat, das Potential für gute Stimmung auszuschöpfen.

Aber ist die Relation zwischen Erwartung und Realität starr und fix? Nein, sie ist flexibel. Sie ändert sich auch während des Spielverlaufs. Ein Rückstand senkt die Erwartung und schafft Raum, um durch ein gedrehtes Spiel für gute Stimmung zu sorgen.

Einfach gesagt: Ein 2:1-Sieg sagt nichts über die Stimmung (und deren Entwicklung) aus. Es macht einen Unterschied, ob man 2:0 führte oder ob man 0:1 zurücklag und das Spiel in der Schlussphase gedreht hat. Ebenso haben logischerweise Platzverweise einen Einfluss auf die Erwartungshaltung.

Der Aspekt der Relation zwischen Erwartung und Realität ist das vorrangige Problem. Nichts anderes. Und das findet im Unbewusstsein statt. Das Bewusstsein bzw. der Verstand sucht sich nur oberflächlich andere Gründe. Es liegt ja in der Natur des Menschen nach Lösungen für ein Problem zu suchen. Spieler schuld, Trainer schuld, Vorstand schuld. Hätte man es anders gemacht, wäre es besser gewesen – die leichteste aller Erklärungen. Nichts davon trifft den Kern der aktuellen Lage. All das ist nur das weit geöffnete Ventil, das sich dem Druck der übersteigerten Erwartung entledigt. Der Mensch ist sehr einfach gestrickt, auch wenn jeder Einzelne das natürlich nicht von sich behauptet. Im Grunde sind wir wie Kleinkinder, die nach der Flasche schreien, weil wir nicht bekommen was wir wollen. Früher haben wir halt größere Flaschen bekommen und die blöden neureichen Babys bekommen sogar Flaschen geschenkt (mit Red Bull drin). Wir sind Lebewesen, die von chemischen Reaktionen und niederen Instinkten geleitet werden. Das sollte sich auch jeder bewusst machen, bevor er insbesondere im Internet seine Meinung mit einem Klick postet.

Aber wo ein Problem ist, ist ja auch immer eine Lösung. Schön wärs, oder? Die Erwartung lässt sich nur schwer herunterfahren. Vor allem die langfristige. Ein FCK-Fan wird sich niemals mit der Zweitklassigkeit zufrieden geben. Diese schleichende Unzufriedenheit wird sich fortsetzen, bis wir in der 1. Liga sind. Bis dahin entlädt sich das Ventil. Und dem FCK ist nur zu wünschen, dass sie die Ruhe bewahren.

Kurzanalyse der Kaderplanung & Transferpolitik beim 1. FC Kaiserslautern

Wieder mal dreht sich das Transferkarussel beim FCK schneller als man einen Spielernamen auf sein Trikot beflockt bekommt. Und da gibt’s ja die zwei Meinungen: 1. Richtig so 2. Totaler Mist.

Ich sehe das wie folgt: Betrachten wir die Ausgangslage mal ganz objektiv, dann befinden wir uns in der Rangliste der Fußballklubs in Deutschland aktuell zwischen dem 16. und dem 24. Platz – sowohl aus sportlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Vom Fanpotential sicherlich höher, aber das findet leider keine Betrachtung.

Zudem befinden wir uns als potentieller Aufstiegskandidat an einem ganz entscheidenden Nadelöhr – vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Die Zugehörigkeit in der 1. Bundesliga kommt einem wirtschaftlichen Quantensprung gleich, aber damit erzähle ich ja nichts Neues.

Worauf ich hinaus will: Ein Klub unserer Größenordnung, in unserer Situation, am entscheidenden Nadelöhr muss die möglichst beste Mannschaft besitzen, die die finanziellen Mittel zulassen. Das klingt auch wieder banal, ist es aber nicht. Denn genau das ist der Grund für die Vielzahl an Leihspielern in unserem Kader.

In unserer Situation ist die Leihe eines Spielers deutlich sinnvoller als die Verpflichtung eines solchen. Warum? Weil die Qualität der Spieler, die ausgeliehen werden können, deutlich höher ist, als die Möglichkeiten, sich Spieler mittels langfristiger Verträge zu sichern. Demirbay, Younes, Zoller, Thommy – keinen dieser Spieler hätte der FCK bekommen, wenn sie einen 3-Jahres Vertrag hätten unterschreiben sollen.

DAS wiederum steht mit einer Maxime im völligen Gegensatz: Der Langfristigkeit. Eine Maxime, die zwar gerne in schönen Vorstandsreden gepredigt, als Ziel ausgegeben und von den Fans gefordert wird, die aber rein logisch gesehen NUR ein Bestandteil der Kaderplanung sein darf, nicht deren Hauptmaxime. Nicht in unserer Situation.

Zur Verdeutlichung übertrage ich das hier mal auf unseren Kader. Ein Kader in unserer Situation muss aus Spielern dreier Kategorien bestehen:

1. Junge, talentierte Spieler aus den eigenen Reihen. Diese Spieler können mit Glück entweder gehalten werden oder im bitteren Fall einen ordentlichen Transfererlös erzielen.

Diese Kategorie unterscheidet sich noch mal in Stammspieler (1.1) und Perspektivspieler (1.2). Perspektivspieler sollten zur Weiterentwicklung ausgeliehen werden.

1.1: Orban, Heintz, Zimmer, Hofmann

1.2: Kwadwo, Jacob, Dorow, Mugosa

2. Solide, erfahrene Spieler und langfristig gebundene Spieler, die mit ihren Fähigkeiten der Ligazugehörigkeit des Vereins entsprechen. Karl, Löwe, Ring etc. Diese Kategorie unterscheidet sich noch mal in Stammspieler (2.1) und Backups (2.2).

2.1: Löwe, Karl, Schulze, Ring, Jenssen, Klich, Gaus, Matmour

2.2: Heubach, Schindele, Formitschow, Riedel, Zellner

3. Leihspieler, die den Kader qualitativ aufwerten, jedoch ohne langfristige Perspektive: Demirbay, Younes, Zoller, Thommy, Stöger

Unser Kader bringt alle Kategorien zusammen. Es wird aus den vorhandenen Mitteln das bestmögliche rausgeholt. Die Ergebnisse müssen die Spieler auf den Platz noch selbst erbringen, aber die Voraussetzungen stimmen meiner Meinung nach absolut.

Und noch mal ganz klar: Für uns muss vor allem die kurzfristige Perspektive zählen. Das Nadelöhr überwinden. Den Aufstieg schaffen. Und in dieser Hinsicht kann man auch die Entscheidung pro Zoller, Contra Lakic nachvollziehen. Ihr wisst doch selbst: Wenn wir aufsteigen, wird sich der Kader wieder drastisch ändern.

Spieler aus der Kategorie 2.2 werden verscherbelt, die Kategorie 2.1 wird mit starken Spielern aufgefüllt und aktuelle Stammspieler werden zu Backup’s.

Spieler aus der Kategorie 3 verlassen uns und werden mit neuen Leihspielern ausgefüllt. Eventuell kann der ein oder andere fest verpflichtet werden und rückt somit in 2.1 auf. Aus der Kategorie 1.1 werden uns Spieler für viel Geld verlassen, das Geld wird für Spieler der Kategorie 3. oder 2.2 investiert. Junge Nachwuchsspieler oder Talente aus den eigenen Reihen rücken wiederum in die Kategorien 1.1 oder 1.2 auf.

Verliehene Spieler aus 1.2 kehren zurück, werden neu bewertet und in die jeweiligen Kategorie einsortiert.

So läuft das Geschäft. Flukuation ist gegenwärtig. Es ist nur wichtig, dass man sie zielgerichtet händelt. Und das geschieht meiner Meinung nach unter Markus Schupp besser als in den vergangenen Jahren.

Wir sind ein Klub der Größenordnung zwischen 16 und 24. Und diese Klubs müssen die Fluktuation in Kauf nehmen. Für den Erfolg. Und das ist einerseits schwer zu akzeptieren. Wünscht man sich doch nichts mehr, als nicht ständig neue Spielernamen lernen zu müssen, sich nicht ständig für den Spielernamen auf dem Trikot rechtfertigen zu müssen, aber das ist der Preis, den wir für den Erfolg bezahlen müssen. Und das war doch schon immer so. Ich laufe immer noch mit meinem Amanatidis-Trikot mit der Nummer 9 durch die Gegend. Who cares. Was zählt, ist das Wappen auf der Brust.

Und in der nächsten Saison werden die Karten (bzw. der Kader) sowieso wieder durchgemischt und dann geht es einfach wieder ums neue darum, die besten Karten in der Hand zu haben.

Wenn wir erstmal die 1. Liga erreicht haben, darf die Komponente „Langfristigkeit“ erhöht werden. Ganz nach dem Modell Augsburg kann man stetig an wirtschaftlicher Autonomie gewinnen und kommt in die Position, wertvolle Spieler auch mal halten zu können und den Kader nur punktuell verstärken zu müssen. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Bis dahin müssen wir mit dem Szenario „kurzfristige Maximierung des Erfolgs“ leben, so bitter das für die Fan-Seele auch manchmal sein mag.

Die zwei Seiten der Medaille

tobi sippel

Tobias Sippel. Die Nummer 1 in unserem Tor, eine Pfälzer Identifikationsfigur. Aktiv beim FCK seit einer gefühlten und beinahe tatsächlichen Ewigkeit. Eine seltene Ausnahme im schnelllebigen Fußballgeschäft. Wer traut sich schon noch, sein Trikot mit Spielernamen zu beflocken, wenn kaum ein Spieler länger als 1-2 Spielzeiten bleibt. Bei Tobias Sippel war das anders, er gehört(e) zum Inventar.

Das ist die sentimentale Seite der Medaille. Die andere Seite ist sich als Fußballromantiker nur schwer einzugestehen. Leistungsschwankungen, Fehler, verlorengegangene Sicherheit – so nahm man es als einer von 40.000 Hobbytrainern im Stadion wahr. Und diese Zuschauer taten ihren Unmut schon des öfteren kund. Eine nicht erst seit gestern entbrannte Diskussion, wie sie nicht nur im Fußball stattfindet: Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse, Pro-Sippel gegen Contra-Sippel. Die Contra-Fraktion war – und das merkt man vor allem als Beobachter der Fanszene im Internet – stärker denn je in den vergangenen Monaten.

Und nun der Knall. Tobias Sippel hat keine Zukunft beim FCK und wird den FCK aller Voraussicht nach zum Saisonende verlassen. Unabhängig von der nächstjährigen Ligazugehörigkeit, das sollte jedem – trotz anders lautender Aussagen – klar sein.

Und was vernimmt man als Beobachter der Fanszene nach dieser Meldung?

Kein aufkeimender Jubel, dass Sippel nun verschwindet.
Keine Erleichterung, dass endlich wieder die Null steht.

Ganz im Gegenteil. Die sentimentale Seite der Medaille ist selbst bei Verfechtern der Contra-Sippel-Fraktion in den Vordergrund gerückt. Man könnte es einen solidarischen Aufschrei nennen.

Was objektiv gesehen vollkommen paradox klingt, lässt sich nur durch das emotionale Band erklären, dass den FCK zusammenhält. Und von dem Tobias Sippel ein Teil ist und immer sein wird. Diese Gewissheit bringt alle Fraktionen auf einen Nenner. Und so war es doch schon immer beim FCK: Wenn es wirklich drauf ankommt, ziehen alle am selben Strang. Der Zusammenhalt ist das, was den FCK im Kern unzerstörbar macht. Und das ist im Grunde doch eine schöne Erkenntnis.

#danketobi

Online-Umfrage

Hallo Sportsfreund/in!

im Rahmen meiner Masterarbeit im Studiengang Sportmanagement am Institut für Sportwissenschaften der Friedrich-Schiller Universität Jena führe ich eine Online-Umfrage durch. Ich würde mich freuen, wenn Ihr teilnimmt. Länger als 7 Minuten dauert es nicht.

Thematisch geht es um die Schwerpunkte “Stadion” und “Fußball”.
Aus taktischen Gründen verrate ich das konkrete Thema erst am Ende der Umfrage.

Und hier der Link:

https://docs.google.com/forms/d/1IOTi3o9Tp8N7LTD6FtN7M8Xi_hVz2USNaSlH6BX0esA/viewform