Der Nebel über dem Betzenberg

Überall war er gestern zu sehen, zu hören, zu riechen und zu spüren: Der Nebel über dem Betzenberg. Wie ein Schleier hat er sich seit dem 27.05.2013 über den Betzenberg gelegt. Entfacht im verlorenen Rückspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim, ist er bis heute nicht gewichen. Und er macht etwas mit uns. Wenn man an den FCK denkt, formt er einen Konkon der Zufriedenheit.

Die Statistik – 6 Punkte, 4:1 Tore –  trägt dazu bei, aber es ist mehr. Die Spieler hat der Nebel zu Mutanten geformt. Mutanten der Gier, des Siegeswillen – erkennbar in den Gesichtern und in der ganzen Körpersprache. Man vergleiche bitte 10 Minuten der letzten Saison mit 10 Minuten der jetzigen. Der Nebel ist bis in die kleinsten Zellen vorgedrungen.

Die Neuen sind auch schon infiziert.

In der zentralen Schaltstelle hat sich nur der Nachname geändert. Ring statt, wie hieß er noch gleich? … irgendwas mit Baum. Vorne Simon Zoller als den neuen Klose light. Auf den Außen Gaus und Matmour, die sich auch nicht zu schade sind, nach hinten zu arbeiten. Doch schmerzlich vermisst wird unser wohl bald zum FC Barcelona abwandernder hochtalentierter Kostas Fortounis (so ähnlich muss er es sich wohl vorstellen…). Es ist stimmig, es ist rund. Das ist ein anderer FCK auf dem Platz. Und man hat das Gefühl, dass selbst im 3. Gang noch ansehnlicher Fußball möglich ist. Dafür brauchte es letztes Jahr stets Vollgas im 6. Gang. Der Nebel wirkt wie eine Lachgaseinspritzung.

Aber dieser Nebel ist auch gefährlich.

Er hüllt uns so sehr ein, dass wir die Verbindung zur Realität zu verlieren scheinen. Zoller ist noch kein Klose, 6 Punkte reichen nicht zum Aufstieg und 28.000 Zuschauer zu einem ersten Heimspiel der Saison sind mehr als unterdurchschnittlich. Nicht zu reden von den guten Torchancen der Ingolstädter, die im Taumel der Glückseligkeit gefühlt gar nicht wahrgenommen wurden.

Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt – sagt man ja so schön. Der Nebel wird noch eine Weile seinen Schleier über dem Betzenberg ausbreiten. Wir müssen ihn solange wie möglich konservieren und weitertragen – und zugleich aufpassen, dass er uns nicht das Gehirn vernebelt. Irgendwann wird sich dieser Nebel auch wieder lichten. Dann gilt es. Dann entscheidet sich, was er wert ist.

Bloß nicht einnebeln lassen.

Die Erkenntnis, dass noch Luft nach oben ist, muss jetzt der Antrieb zum Fortschritt sein. Und wenn dieser Nebel den Fortschritt vorantreibt – er bis zum Ende der Saison erhalten bleibt und wir trotzdem noch den Blick für die Realität bewahren … Ja, dann wird er uns – und da bin ich mir sicher – im Mai 2014 dahin getragen haben, wo wir hingehören: In die 1. Bundesliga.

2 thoughts on “Der Nebel über dem Betzenberg

  1. Nicht nur die Zuschauerzahlen wirken vernebelt, auch die Leistung der Mannschaft. Nach dem 0:1 in Paderborn, dem 1:0 und 2:0 zu Hause gegen Ingolstadt zog sich das Team sehr weit zurück und agierte viel zu passiv. Wo ist das die beschriebene Gier? Ich konnte sie nicht erkennen. Den Nebel durchbrechen tut momentan Simon Zoller mit seiner brutalen Effektivität.
    Ring und Baumjohann zu vergleichen ist etwas gewagt, Ring zeigt starke Ansätze, konnte aber bis jetzt noch nicht wirklich glänzen. Baumjohann übrigens verdrängt gerade Ronny aus der Startelf bei der Hertha. Die Saison ist noch jung, aber ich sehe keine dramatischen Verbesserungen. Die ersten beiden Gegner waren mit Sicherheit keine Prüfsteine für den Aufstieg. Auch wenn man gegen die beiden erstmal gewinnen muss. Zumindest darf man sagen, dass wir die beiden Spiele im letzten Jahr noch unentschieden gespielt hätten.

    Fortounis hätte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr Offensivpotential zu bieten als der zweite Rechtsverteidiger Matmour. Sollten er und Borysiuk uns wirklich verlassen, muss der FCK sich ankreiden lassen zwei große Talente nicht weitergebracht zu haben. Das macht dann auch wirtschaftlich keinen Sinn, denn Ziel muss es sein, bei solchen Leuten einen Transfergewinn zu generieren.

    Ich stehe etwas im Nebel, wenn ich versuche die Leistung der Roten Teufel einzuordnen. Nach weiteren Spielen kann man vieleicht sagen, wohin die Reise geht. Nur, wer Ingolstadt so viele Tormöglichkeiten lässt, der wird gegen Fürth, Düsseldorf, Cottbus, Union Berlin und 1860 sicherlich mehr Gegentore fangen.

    Ansonsten ein sehr interessant verfasster Artikel, der sich rund um das Thema Nebel gestaltet. Gute Arbeit! Nebel scheint mir auch die richtige Metapher zu sein, denn nebulös sieht die Zukunft des FCK definitiv aus, die Vergangenheit auch.

    Beste Grüße

    Stehgeiger

  2. Servus & Danke für deinen Kommentar.

    Die beschriebene Gier lässt sich (noch) nicht an den Ergebnissen messen. Aber sie ist zu sehen, vor allem an der Körpersprache. Nun haben wir weder Paderborn noch Ingolstadt mit 6:0 vom Platz gefegt, aber genau diese Art von Spielen hätten wir letzte Saison maximal unentschieden gespielt – wie du ja ähnlich vermutest. Letztendlich ist es aber auch nur ein Gefühl, aber oft liegt man mit so einem über Jahre entwickelten FCK-Gefühl nicht so weit daneben.

    Zu Baumjohann: Ich bin kein Anhänger von ihm. Er ist ein Showspieler. Wenn die Kameras laufen, die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist, die großen Spiele anstehen – dann ist er zu gebrauchen und unersetzlich.

    Aber auf den Plätzen der Sandhausen’s und Aue’s dieser Welt bringt er nicht mal einen 3 Meter-Pass zum Gegner und das leider viel zu häufig.
    Meiner Meinung wird er aufgrund einzelner – individuell sicher herausragender – Szenen maßlos überschätzt. Er hat selten konstant Leistung gezeigt und war in den kritischen Phasen selten eine Stütze für die Mannschaft. Im Gegenteil. Aber das ist nur meine subjektive Wahrnehmung zu der Causa „Baumjohann“.

    Für mich passt er vom Typ einfach auch nicht zum FCK, was ich allerdings mit wenig rationalen Argumenten untermauern kann. Ähnlich geht es mir mit Fortounis. Zu phlegmatisch, nicht begeisterungsfähig, unkonstant, einfach kein Betze-Typ. Mag ideallistisch klingen, ist aber so.

    Dieses Saison geht’s hoch, auch wenn meiner Annahme aktuell noch eine große Prise Wunschvorstellung mit beigemischt ist.

    Sportliche Grüße
    Patrick

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