Foda und der FCK: Hat das Zukunft?

Die Euphorie in der Pfalz ist grenzenlos, die Menschen strömen wie nie zuvor ins Fritz-Walter Stadion – beinah jedes Spiel ist ausverkauft, die Begeisterung ist überall zu spüren. Und dann wachte ich auf …

Nein, von diesem Zustand der vollkommenen Glückseligkeit sind wir in etwa so weit entfernt, wie unser Verein von einer Fanfreundschaft mit der TSG 1899 Hoffenheim. Und das trotz 4 Siegen in 5 Pflichtspielen.

Und woran liegt’s?

Sind die Lautrer Fans eine Spezies von unzufriedenen, dauernörgelnden, erwartungsüberzogenen Menschen? Ist die Erwartungshaltung so hoch, dass uns nichts mehr zufriedenstellt? Was ist der Grund, warum nur noch knapp 25.000 Zuschauer zu den Heimspielen kommen? Sind es allein die vermeintlich unattraktiven Gegner a la Erzgebirge Aue? Ist es nur die ungeliebte Anstoßzeit um 13 Uhr? Ist es wegen der Urlaubszeit? Meckern wir einfach nur auf höchstem Niveau?

Wir sind höchst erfolgreich in die Saison gestartet – und gefühlt spielen wir um den Abstieg. Was ist denn erst, wenn es sportlich mal nicht rund läuft? Was passiert, wenn die erste Minikrise kommt? Zwei Niederlagen am Stück und die Bombe platzt – so könnte man meinen. Und im Flurfunk der FCK-Gemeinde ist auch deutlich zu vernehmen, wer dafür die Schuld trägt. Der Trainer, das vermeintlich schwächste Glied in der Kette: Franco Foda.

Beim FCK gibt’s nur zwei Sorten von Trainern. Die, denen Fehler verziehen werden und die, denen keine Fehler verziehen werden. Von der ersten Kategorie hatten wir schon einige auf dem Betzenberg. Eric Gerets war so einer, Milan Sasic ebenfalls, Marco Kurz zumindest eine Zeit lang. Irgendwie waren diese Trainer mit der FCK-Seele verschmolzen, was sich ziemlich pathetisch anhört, aber doch Wahrheit in sich trägt.

Ein Eric Gerets wäre für die Idee des „rotierenden Kapitäns“ vermutlich als Innovator gefeiert und stundenlang auf den Schultern durch die Stadt getragen worden. Für Franco Foda wirkt diese Idee wie eine Schlinge um den Hals – als Erweiterung seiner ohnehin schon großen Angriffsfläche.

Feuer? Leidenschaft? Wertegleichheit? Wie man es auch immer nennen will – auf ihre jeweils eigene Weise trugen die Sasic’s, Gerets’s und Kurz‘s diese geheime Zutat in sich, die sie zu Sympathieträgern bei den Fans machte.

Die geheime Zutat, die Kräfte freisetzt, wenn Fans, Verein und Spieler eine Einheit bilden. Wie am 18.05.2008 mit Sasic, der Erstligasaison nach dem Aufstieg mit Kurz und im Abstiegskampf mit Gerets.

Franco Foda ist einer der zweiten Kategorie. Wie viele andere vor ihm auch schon: Henke, Jara, Balakov – um nur einige zu nennen. Sie besaßen diese geheime Zutat nicht. Ihnen wurden und werden keine Fehler verziehen.

Franco Foda und der FCK – das wird niemals eine Einheit werden. Die Chemie stimmt nicht. Eine Beziehung die von Beginn an mehr Zweck- als Traumbeziehung war. Und der eigentliche Grund, warum viele FCK-Fans das so sehen, ist, weil Franco Foda den Anschein macht, als wenn es für ihn auch nicht mehr ist.

Wie sagte Stefan Kuntz doch noch letzte Saison: „Der FCK kann nur aufsteigen, wenn alle eine Einheit sind.“ Davon sind wir weit entfernt. Aus vielerlei Gründen:

Fehlende Entwicklung einzelner Spieler, sportliche Magerkost, der verpasste Aufstieg, realitätsfremde Interviews, schwer nachvollziehbare Personalentscheidungen – eine tiefgehende Analyse aller Foda’schen Kritikpunkte würde vermutlich ein Buch füllen. So beschränke ich mich einfach auf die fehlende Chemie.

Das ist keine Argumentationsgrundlage für eine Trainerentlassung – zumindest nicht so lange, wie der sportliche Erfolg anhält. Aber der Geduldsfaden ist so dünn, dass schon ein kleiner Funke reicht, um einen Knall auszulösen. Jeder noch so kleine Fehler wirkt wie eine Zigarette an der Tankstellenzapfanlage.

Es ist wie in einer Beziehung, in der der Partner nur noch darauf wartet, dass der andere die Zahnpastatube offen lässt, um einen Grund zu haben, ihn rauszuschmeißen – oder ihm die Liebe nicht mehr zu erwidern. So wie es viele FCK-Fans offenbar schon tun. Sichtbar an der Zuschauerzahl. Foda’s Zukunft liegt nicht in der Pfalz – alles andere würde mich stark überraschen.

3 thoughts on “Foda und der FCK: Hat das Zukunft?

  1. Gestern war es so weit: Franco Foda hat die Zahnpastatube offen gelassen – um im Bild zu bleiben. Die Ära Foda ist beendet. Zumindest inoffiziell in den Augen der Fans – die offizielle Verlautbarung dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

  2. Sehr schön geschriebener Artikel. Ich hab nur das schlechte Gefühl, dass SK bei allen Verdiensten noch mindestens bis über die Winterpause hinaus an FF festhält – er beschäftigt lieber schlechte Trainer als solche, die zwar Fachverstand besitzen, dafür aber auch mal aufmucken.

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