Ein Orchester ohne Dirigent

Eine Truppe herausragender Solisten ohne fähigen Dirigenten: Das war mein Eindruck vom FCK gestern. Beschränkt in ihren Handlungsoptionen, beschränkt in ihren Variationen, beschränkt in ihrem System, aber nicht beschränkt in ihren Möglichkeiten. Wir brauchen ein System, eine Spielidee, mehr Variantenreichtum, mehr Handlungsoptionen – aber all das entsteht leider nicht durch feurige Ansprachen, markige Worte oder Brüll-Attacken am Zaun oder in der Kabine.

Und da gebe ich der sinngemäßen Aussage von Stefan Kuntz nur in Teilen recht:

“Wenn ich als Spieler in die 1. Bundesliga aufsteigen will – wenn ich als Spieler den Anspruch habe, besser zu sein als mein Gegenspieler von Sandhausen oder Aalen, dann mache ich mir darüber Gedanken und nicht darum, wer draußen als Trainer auf der Bank sitzt.”

Natürlich stehen die Spieler in der Eigenverantwortung und natürlich sollte jeder aus eigenem Antrieb heraus bestmögliche Leistungen erbringen wollen – aber auch ein Orchester funktioniert nur, wenn ein Dirigent die Leute ordnet und anleitet. Was bringt denn die schönste Geige und die beste Posaune, wenn sie zusammen ein unerträgliches Geschrabbel und Durcheinander erzeugen?

Und genau das ist doch bei uns der Fall:

Der FCK hat eine Truppe individuell guter Spieler, die wie ein Orchester herausragender Solisten ohne fähigen Dirigenten wirkt. Und durch Motivation und Rümbrüllerei wird das Orchester leider nicht besser.

Darüberhinaus halte ich es auch für den falschen Ansatzpunkt: Unsere Misere ist nicht mit fehlender Einstellung, mangelnder Motivation oder charakterlicher Schwäche der Spieler zu erklären. Wir hatten schon Teams mit weniger Temperament und Einsatz. Stolz und Ehre sind nicht das Problem. Die Mannschaft ist keine Truppe voller Dreckssäcke. Die wollen, können aber nicht.

So sehr wir uns nach der blutarmen Phrasendrescherei von Franco Foda nach einem Trainer mit Leidenschaft, Feuer und FCK-Virus gesehnt haben, stellt sich die Frage: Brauchen wir mehr Feuer oder einfach jemanden, der das Feuer in die richtigen Bahnen lenkt?

Betze-Geist schön und gut, …

… aber damit kommen wir doch (allein) nicht mehr weiter. Die Relegationsspiele haben es gezeigt: Wir können noch so laut schreien – einen sichtbaren Effekt hat es erst dann, wenn die Spieler unten einen ungefähren Plan haben, was sie da tun sollen. Das hatten sie gegen Hoffenheim nicht und das haben sie auch heute nicht.

Wir brauchen nicht zwanghaft ein Lautrer Urgestein an der Seitenlinie. Es ist Zeit für einen Trainer, der ein Konzept hat, der den Spielern eine Spielidee vermittelt. Eine Spielidee, die bis hinunter in die Jungendmannschaften implementiert wird. Ein Trainer, der den Spielern aufzeigt, was sie falsch machen. Einer, der ihnen Handlungsoptionen an die Hand gibt. Einer, der die Spieler aus ihrer offensichtlich eingeschränkten Handlungssicht befreit.

Wir brauchen jemanden mit Kompetenz

Einen, der mit Methode und System dieses Orchester zu dem anleitet, zu das es im Stande ist, denn bei all ihren Beschränkungen: Die Möglichkeiten sind es nicht, die beschränkt sind. Die Truppe ist zu mehr fähig.

Wir brauchen keinen Motivator, keinen Schreihals, wir brauchen einen Experten. Einen Experten, der sich die Zeit nimmt, dieses zerbrochene Puzzle wieder zusammenzusetzen. Und dann darf auch mal verloren werden. Hauptsache langfristig hat es zum Ergebnis, dass man sich mal wieder ein FCK-Spiel ohne Wutausbrauch anschauen kann.

Und noch zwei Empfehlungen/Bemerkungen am Rande:

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