Kurzanalyse der Kaderplanung & Transferpolitik beim 1. FC Kaiserslautern

Wieder mal dreht sich das Transferkarussel beim FCK schneller als man einen Spielernamen auf sein Trikot beflockt bekommt. Und da gibt’s ja die zwei Meinungen: 1. Richtig so 2. Totaler Mist.

Ich sehe das wie folgt: Betrachten wir die Ausgangslage mal ganz objektiv, dann befinden wir uns in der Rangliste der Fußballklubs in Deutschland aktuell zwischen dem 16. und dem 24. Platz – sowohl aus sportlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Vom Fanpotential sicherlich höher, aber das findet leider keine Betrachtung.

Zudem befinden wir uns als potentieller Aufstiegskandidat an einem ganz entscheidenden Nadelöhr – vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Die Zugehörigkeit in der 1. Bundesliga kommt einem wirtschaftlichen Quantensprung gleich, aber damit erzähle ich ja nichts Neues.

Worauf ich hinaus will: Ein Klub unserer Größenordnung, in unserer Situation, am entscheidenden Nadelöhr muss die möglichst beste Mannschaft besitzen, die die finanziellen Mittel zulassen. Das klingt auch wieder banal, ist es aber nicht. Denn genau das ist der Grund für die Vielzahl an Leihspielern in unserem Kader.

In unserer Situation ist die Leihe eines Spielers deutlich sinnvoller als die Verpflichtung eines solchen. Warum? Weil die Qualität der Spieler, die ausgeliehen werden können, deutlich höher ist, als die Möglichkeiten, sich Spieler mittels langfristiger Verträge zu sichern. Demirbay, Younes, Zoller, Thommy – keinen dieser Spieler hätte der FCK bekommen, wenn sie einen 3-Jahres Vertrag hätten unterschreiben sollen.

DAS wiederum steht mit einer Maxime im völligen Gegensatz: Der Langfristigkeit. Eine Maxime, die zwar gerne in schönen Vorstandsreden gepredigt, als Ziel ausgegeben und von den Fans gefordert wird, die aber rein logisch gesehen NUR ein Bestandteil der Kaderplanung sein darf, nicht deren Hauptmaxime. Nicht in unserer Situation.

Zur Verdeutlichung übertrage ich das hier mal auf unseren Kader. Ein Kader in unserer Situation muss aus Spielern dreier Kategorien bestehen:

1. Junge, talentierte Spieler aus den eigenen Reihen. Diese Spieler können mit Glück entweder gehalten werden oder im bitteren Fall einen ordentlichen Transfererlös erzielen.

Diese Kategorie unterscheidet sich noch mal in Stammspieler (1.1) und Perspektivspieler (1.2). Perspektivspieler sollten zur Weiterentwicklung ausgeliehen werden.

1.1: Orban, Heintz, Zimmer, Hofmann

1.2: Kwadwo, Jacob, Dorow, Mugosa

2. Solide, erfahrene Spieler und langfristig gebundene Spieler, die mit ihren Fähigkeiten der Ligazugehörigkeit des Vereins entsprechen. Karl, Löwe, Ring etc. Diese Kategorie unterscheidet sich noch mal in Stammspieler (2.1) und Backups (2.2).

2.1: Löwe, Karl, Schulze, Ring, Jenssen, Klich, Gaus, Matmour

2.2: Heubach, Schindele, Formitschow, Riedel, Zellner

3. Leihspieler, die den Kader qualitativ aufwerten, jedoch ohne langfristige Perspektive: Demirbay, Younes, Zoller, Thommy, Stöger

Unser Kader bringt alle Kategorien zusammen. Es wird aus den vorhandenen Mitteln das bestmögliche rausgeholt. Die Ergebnisse müssen die Spieler auf den Platz noch selbst erbringen, aber die Voraussetzungen stimmen meiner Meinung nach absolut.

Und noch mal ganz klar: Für uns muss vor allem die kurzfristige Perspektive zählen. Das Nadelöhr überwinden. Den Aufstieg schaffen. Und in dieser Hinsicht kann man auch die Entscheidung pro Zoller, Contra Lakic nachvollziehen. Ihr wisst doch selbst: Wenn wir aufsteigen, wird sich der Kader wieder drastisch ändern.

Spieler aus der Kategorie 2.2 werden verscherbelt, die Kategorie 2.1 wird mit starken Spielern aufgefüllt und aktuelle Stammspieler werden zu Backup’s.

Spieler aus der Kategorie 3 verlassen uns und werden mit neuen Leihspielern ausgefüllt. Eventuell kann der ein oder andere fest verpflichtet werden und rückt somit in 2.1 auf. Aus der Kategorie 1.1 werden uns Spieler für viel Geld verlassen, das Geld wird für Spieler der Kategorie 3. oder 2.2 investiert. Junge Nachwuchsspieler oder Talente aus den eigenen Reihen rücken wiederum in die Kategorien 1.1 oder 1.2 auf.

Verliehene Spieler aus 1.2 kehren zurück, werden neu bewertet und in die jeweiligen Kategorie einsortiert.

So läuft das Geschäft. Flukuation ist gegenwärtig. Es ist nur wichtig, dass man sie zielgerichtet händelt. Und das geschieht meiner Meinung nach unter Markus Schupp besser als in den vergangenen Jahren.

Wir sind ein Klub der Größenordnung zwischen 16 und 24. Und diese Klubs müssen die Fluktuation in Kauf nehmen. Für den Erfolg. Und das ist einerseits schwer zu akzeptieren. Wünscht man sich doch nichts mehr, als nicht ständig neue Spielernamen lernen zu müssen, sich nicht ständig für den Spielernamen auf dem Trikot rechtfertigen zu müssen, aber das ist der Preis, den wir für den Erfolg bezahlen müssen. Und das war doch schon immer so. Ich laufe immer noch mit meinem Amanatidis-Trikot mit der Nummer 9 durch die Gegend. Who cares. Was zählt, ist das Wappen auf der Brust.

Und in der nächsten Saison werden die Karten (bzw. der Kader) sowieso wieder durchgemischt und dann geht es einfach wieder ums neue darum, die besten Karten in der Hand zu haben.

Wenn wir erstmal die 1. Liga erreicht haben, darf die Komponente „Langfristigkeit“ erhöht werden. Ganz nach dem Modell Augsburg kann man stetig an wirtschaftlicher Autonomie gewinnen und kommt in die Position, wertvolle Spieler auch mal halten zu können und den Kader nur punktuell verstärken zu müssen. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Bis dahin müssen wir mit dem Szenario „kurzfristige Maximierung des Erfolgs“ leben, so bitter das für die Fan-Seele auch manchmal sein mag.

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