Gut gelaunt in Richtung Bedeutungslosigkeit

Am Freitag startet die neue Saison. Und ganz ehrlich: Ich hab null Bock drauf. Selten war ich weiter weg von diesem Verein als jetzt. Mehr Frust als alles andere.

Aber nein, Stopp.

Es ist doch alles super. Alle sind super gelaunt, super positiv, alle lächeln, Probleme gibt’s keine, alles klasse, hurra, hurra – steht so zumindest in allen medienrelevanten Berichten. Wir halten uns an den Händen, singen Oh-happy-Day und hüpfen fröhlich in Richtung Sonnenuntergang.

Schön wär’s. Kurz vor Saisonbeginn stehen wir wieder einmal ohne Hauptsponsor da. So wie letztes Jahr auch schon. Wer sich mit Markenführung und Sponsoring auskennt, weiß, dass das kein Zufall ist. Die Darstellung des Vereins ist seit Jahren wechselhaft, diffus und unklar. Es ist zum Kotzen, wie ein Verein sich im Marketing so darstellen kann. Aber wir beruhigen uns und lächeln. Alles gut, das wird schon. Wir sind ja der kleine FCK und müssen kleine Brötchen backen. Und sowieso liegt es ja an der Wirtschaft, der Region, dem schlechten Wetter, den Illuminaten und überhaupt an irgendwas anderem. Aber lasst uns weiter lächeln. Alles wird super. Oh-happy-Day.

Am ersten Spieltag gegen Duisburg wird unser Trikot die Aufschrift „115 Jahre Tradition“ tragen. Und das sagt eigentlich alles aus. Tradition ist offenbar das einzige, was noch nennenswert und von Bedeutung ist. Und wird uns inflationär um die Ohren gehauen.

Der Spielplan ist übrigens auch unfair. Erster Spieltag auswärts bei einem Aufsteiger? Das grenzt ja an einen Skandal. Niemand sollte am ersten Spieltag auswärts bei einem Aufsteiger spielen. Niemand sollte überhaupt am ersten Spieltag auswärts spielen müssen. Ach, niemand sollte überhaupt am ersten Spieltag spielen müssen. Da werden wir wieder systematisch benachteiligt. War ja klar. Da ist die 12:0 Niederlage doch vorprogrammiert. Letztlich vermutlich auch der Grund, warum wir nicht aufsteigen. Oh-happy-Day.

Immerhin war das Stadionfest ein Kracher. Glaubt man zumindest, wenn man den offiziellen Bericht dazu liest. Klingt wie vom 60-jährigen Jubiläum des ortsansässigen Seniorenvereins. Dabei war das Konzept doch herausragend: Ein paar Hüpfburgen aufbauen, alte Merchandising-Artikel kartonweise herankarren und verramschen, Autogrammstunden geben und vorzeitig abbrechen – so gewinnt man Fans. Und ein Testspiel an dem Tag braucht doch kein Mensch. Immerhin waren die Ostallgäukickers da, um gegen die Traditionsmannschaft zu spielen. Na wenn das nichts ist. Soll noch einer meckern.

Alles war bunt und klasse. Alle Menschen hatten ein Lächeln auf dem Gesicht. Am Ende fassten sich alle 245.000 anwesenden Besucher an den Händen und hielten ihre Fahnen in die Luft. Gleichzeitig.

Liebevolle, ideenreiche und gut besuchte Stadionfeste? Braucht der FCK nicht. Haben wir gar nicht nötig. Ist doch sonst alles super und klasse. Wer das Gegenteil behauptet, soll bitte nach Hoffenheim oder zu den Bayern gehen.

Aber wir regen uns doch nicht auf. Alles ist super, alles ist gut. Und wenn’s dann doch mal nicht so ist, dann heben wir halt unsere Schals und singen Ole Rot-Weiß und verdrücken Tränen der Rührung, weil wir irgendwann mal ein Verein waren, der irgendwas Geiles in sich hatte. Und weil ein Meer voller Fahnen und Schals das einzige ist, was uns noch ansatzweise von anderen Verein abhebt. Alles andere verkommt zu 0815. Und ich bin sauer auf die Menschen, die das dort zu verantworten haben.

Alles woran ich beim FCK momentan denke, wirkt wie eine schlechte Parodie im Vergleich zu anderen Vereinen. Weiteres schönes Beispiel: Das neue Racing-Design der Trikots inkl. dem peinlichen Vorstellungsvideo. Wir sind wohl jetzt ein Rennverein. Scheiße, was denken die sich eigentlich dabei? Ok, beruhigen. Alles ist super. Das hat sicher irgendeinen Sinn. Und Schwarz-Weiß-kariert ist ja auch schön. Immer schön lächeln. Einfach lächeln und beruhigen. Oh-happy-Day.

Alles ist leblos, uninspiriert und nicht einem Zweitliga-Verein würdig. Der Verein ist ein Pulverfass. Und spätestens mit der ersten Heimniederlage vor noch 21.000 Zuschauern geht das Pulverfass hoch. Und das wird dringend Zeit. Irgendwas muss diese Spirale der Mittelmäßigkeit und Uninspiriertheit unterbrechen. Sonst gleiten wir weiterhin gemütlich und gut gelaunt in Richtung Bedeutungslosigkeit. Alle mit einem Lächeln im Gesicht und Oh-happy-Day singend.

5 thoughts on “Gut gelaunt in Richtung Bedeutungslosigkeit

  1. Ich stimme dir in einigen Punkten zu, muss aber gestehen dass ich dir da nicht in allen Punkten folgen kann.
    1. Ich sehe irgendwie nicht das der FCK in allen medienrelevanten Berichten irgendwie hochgejubelt wird. Das man sich selbst auf den eigenen Kanälen in ein positives Licht stellt ist doch hingegegn vollkommen normal und ich kann das den Verantwortlichen auch nicht vorwerfen. Macht jeder Verein so. Ohne Ausnahme.

    2. Ja was SK mit dem Duisburg Spiel hat versteh ich auch nicht, zumal man ja mit dem Exklusivspiel am Freitag Abend eine tolle Bühne hat. Was das Nürnbergspiel angeht kann ich ihn allerdings schon verstehen. Wenn wir mal davon ausgehen das uns durch die Terminierung ca. 9000 Zuschauer verloren gehen (was ich realistisch finde), und die im Schnitt 20€ pro Karte ausgeben, dann gehen uns durch die Ansetzung einfach mal 180000€ durch die Lappen. Darüber kann man sich schon mal ärgern. Das so in die Kameras zu sagen ist natürlich blödsinn.

    3.Ich find auch nicht alles geil bei uns, aber so zu tun als wäre bei uns alles viel schlechter als bei anderen Vereinen ist dann doch vielleicht eher einem fehlendem Blick über den Tellerrand geschuldet. Peinliche Videos machen andere Vereine auch (Einbruch in Paderborn ect.) und auch die Trikots sind nicht immer das Wahre (Werder mit den Bremer Stadtmusikanten und direkt darüber der fleischverarbeitende Sponsor usw.). Aber ja, ich find die “Raising” Kampagne und die Trikots auch scheiße. Ich will nur sagen, die Wiese ist bei den Anderen auch nicht immer so grün wie sie zuerst vielleicht aussieht.

    4.Keine Frage, ein Stadionfest ohne Spiel der 1. Mannschaft ist scheiße. Aber auch hier: Man kann sich doch nicht darüber aufregen dass das im Nachhinein in den Vereinsmedien möglichst positiv dargestellt wird. Was sollen sie auch sonst machen?

    5. Noch was ganz grundsätzliches: Einer der Gründe warum der FCK eben nicht mehr dort spielt wo er gefühlt hingehört und über Jahrzehnte auch war, ist eben in Hoffenheim, Wolfsburg, Ingolstadt und bald auch in Leipzig zu finden. Ohne diese Konstrukte wäre der FCK ungefähr dort wo er auch weite Teile der 70/80 Jahre war: Im Abstiegskampf der 1.Liga. Das nur mal so am Rande.

    6.Ganz allgemein zu Kuntz: Ich sehe seine Arbeit nicht so schlecht wie viele Andere. Mit dem neuen Pachtmodell ist ihm etwas gelungen was man ihm garnicht hoch genug anrechnen kann. Auch sportlich kann ich ihm nicht so super viel vorwerfen. In den letzten drei Jahren waren die Mannschaften gut genug um aufzusteigen. Das es dann nicht gereicht hat lag u.a. eben auch an Faktoren für die Kuntz nichts kann: Hoffenheim in der Relegation hätte kein Zweitligist schlagen können. Und das wir die letzten beiden Jahre von den Schiris bevorzugt wurden kann man auch nicht gerade behaupten.

    Oh ok, jetzt hab ich etwas mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Naja, schadet ja nicht.

    Gruß,
    @dercheef

    • zu 1. Ok, meine Wahrnehmung zeigt etwas anderes. Und das ins rechte Licht rücken ist so penetrant, dass es mich anekelt.

      zu 2. Irgendwer wird immer benachteiligt, wie man es dreht und wendet. In meinen Ohren klingt das nicht wie das gallisch Dorf, sondern wie Mimimi.

      zu 3. Das Gegenteil ist der Fall. Ich überblicke den Tellerrand sehr wohl und sehe deshalb Dinge, die bei uns im Vergleich unterirrdisch sind. Und nur weil andere Vereine auch mal Mist bauen, ist das nicht die Entschuldigung, dass wir das auch dürfen.

      zu 4. Was sie sonst machen sollen? Ein vernünftiges Stadionfest organisieren. Ich kann diesen Punkt nicht weit genug hervorheben. Was denkt sich der FCK dabei, so ein Murks zu organisieren? In dieser Zeit, in der man Fans aktivieren sollte. Das ist eine Frechheit und das ist ignorant.

      zu 5. Ausrede, Ausrede, Ausrede.

      zu 6. Ich sage nicht, dass Stefan Kuntz an allem schuld ist. Er trägt aber letztlich die Verantwortung für alle Sachen. Und die laufen teilweise nun mal für’n Arsch.

      • Was das Stadionfest angeht sind wir uns doch einig. Ich sage nur dass die eigene Außendarstellung sowas natürlich nicht wiedergeben darf was viele von uns darüber denken. Das würde auch kein anderer Verein anders machen. Das müsste dir dein Blick über den Tellerrand auch sagen. Wenn du möchtest das die Außendarstellung dauerhaft die miese Stimmung in Teilen der Anhängerschaft wiederspiegeln soll, dann ist das schlicht und ergreifend nicht realistisch. Zumal ich davon ausgehe dass die Entscheidung das letzte Vorbereitungsspiel auswärts zu bestreiten sportliche Gründe hatte. Aber wie gesagt, ich fand es auch scheiße.

        Ausrede? Fakt! Mit diesen Vereinen kann der FCK auf Dauer unter den jetzigen Vorraussetzungen einfach nicht mithalten. Und je mehr Plastikclubs auf Dauer vor uns sind, umso schwieriger wird es eben mit der 1.Liga. Alles andere ist Träumerei.

      • Mainz, Augsburg, Freiburg beweisen das Gegenteil. Es ist mit Sicherheit ein enormer Nachteil – wenn die Reaktion darauf aber nur eine notorische Wiederholung von Jammerei ist, kann man es gleich sein lassen und freiwillig in die dritte Liga gehen. Das ist Resignation und somit verwalteter Niedergang.

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